Die Pflanzenwelt

Die Flussniederung der Peene ist mit ca. 20.000 ha eines der größten zusammenhängenden Niedermoorgebiete Mittel- und Westeuropas. Sie zeigt den größten Ursprünglichkeitsgrad aller norddeutschen Flusstäler, was die überregionale Bedeutung des Peenetals begründet. Nicht umsonst wurde das gesamte Peenetal als EU-Schutzgebiet ausgewiesen. Außerhalb Polens und abgesehen von einigen Mooren des Alpenvorlandes ist nur noch hier fast die gesamte ursprüngliche Palette an Niedermoorvegetationstypen anzutreffen. Einige Moorpflanzen und -tiere sind heute in Deutschland lediglich im Peenetal zu finden oder haben in diesem Areal ihren Verbreitungsschwerpunkt.

MehlprimelUrsprünglich waren ca. zwei Drittel der ehemals rund 300.000 ha Moorfläche des Landes mit nährstoffärmeren Mooren bedeckt. Besiedelt wurden diese überwiegend von lichten und oftmals sehr artenreichen Seggen-, Binsen- und Schilfbeständen besiedelt wurden, mit dichtem Unterwuchs an Braun- und Torfmoosen, wovon etwa 80-90 % auf die basischen Lebensräume entfielen - eine an sich schon große Besonderheit des nordostdeutschen Tieflandes. Von dieser einst gewaltigen Fläche sind heute nur noch Reste übriggeblieben. Wissenschaftler schätzen den Anteil naturnaher Moore im Land auf ca. 400-1.200 ha. Unter diesen sind heute nur noch ca. 200-800 ha den einstig landschaftstypischen nährstoffärmeren Seggensümpfen zuzuordnen, wovon jedoch etwa zwei Drittel auf die sauren Typen entfallen. Die basiphilen und kalkreichen Formen sind also insgesamt extrem zurückgedrängt und hoch gefährdet. Die genaue Flächengröße dieser Assoziationen im Peenetal ist bis jetzt ungenügend bekannt und bearbeitet, jedoch können schätzungsweise 400 ha diesen Vegetationsformen zugeordnet werden. Damit liegt heute ihr landesweit flächenmäßiger Verbreitungs- bzw. Erhaltungsschwerpunkt im Peenetal.

Breitblättriges KnabenkrautKennzeichnend für die subatlantisch-zentraleuropäisch-sarmatische Niedermoorvegetation sind z.B. Arten wie Schwarzschopf-Segge, Buxbaum-Segge, Sumpf-Glanzorchis, Rostrotes Kopfried, Preußisches Laserkraut, Niedrige Birke, Ostsee-Knabenkraut, Baltisches Knabenkraut und Mehl-Primel, deren Hauptpopulationen unseres Bundeslandes heute im Peenetal liegen. Das Ostsee-Knabenkraut und das Baltische Knabenkraut sind deutschlandweit auf das Peenetal beschränkt. Weitere Elemente ursprünglicher Sumpfwiesen, wovon das Peenetal einen landesweit sehr hohen Anteil beherbergt, sind z.B. Sumpf-Herzblatt, Sumpf-Kreuzblümchen, Kümmel-Silge, Sumpf-Läusekraut, Schachblume, Sumpf-Sitter, Fliegen-Ragwurz, Steifblättriges und Breitblättriges Knabenkraut, Stumpfblütige Binse, Binsen-Schneide, Floh-Segge, Saum-Segge, Schuppenfrüchtige Gelb-Segge usw. Weiter verbreitete Niedermoorpflanzen, die zumindest innerhalb Deutschlands einen Verbreitungsschwerpunkt in Mecklenburg-Vorpommern haben und hier speziell im Peenetal, sind das Moor-Reitgras und der Blaue Tarant.

Blauer TarantVervollständigt wird das Bild durch die zahlreichen weiteren Feuchtlebensräume im Peenetal wie kleine Quellmoore, Altarme und Torfstiche, verlandende Gräben, Feuchtwiesen, ausgedehnte Röhrichte und Bruchwälder in ihren vielfältigen Erscheinungsformen. Tatsächlich findet sich hier fast die gesamte Palette an Feuchtlebensräumen des Binnenlandes mit Ausnahme der oligotrophen Klarwasserseen. Durch die im Land beste Ausgangssituation aller Tieflandflüsse mit umfangreichen Durchströmungsmoorkomplexen bot die Peeneniederung auch die besten Voraussetzungen für Renaturierungs- vorhaben, die im Zuge eines Naturschutzgroßprojektes von 1992 – 2009 großflächig umgesetzt wurden und mit denen bereits kurz- bis mittelfristig ein größerer Ursprünglichkeitsgrad in der Vegetationsentwicklung, auch auf geschädigten Standorten, erreicht werden kann. Abschließend ist anzufügen, dass bisher rund 750 Farn- und Blütenpflanzen im Peenetal nachgewiesen wurden. Das ist im Verhältnis zu den insgesamt etwa 1.600 Arten des Landes eine bemerkenswert hohe Zahl. Davon gelten ca. 180 Arten landesweit als gefährdet. Besonders hoch ist der Anteil von stark gefährdeten (ca. 80) und vom Aussterben bedrohter Arten (ca. 30). Hinzu kommen ca. 80 nachgewiesene Moosarten. Obwohl noch unzureichend erfasst, lassen hoch gefährdete Arten wie Fissidens adianthoides, Helodium blandowii, Palustriella commutata, Scorpidium scorpioides und Tomentypnum nitens darauf schließen, dass auch unter den Moosen ein breites Spektrum der Arten ursprünglich neutraler bis kalkreicher Durchströmungsmoore vorhanden ist.

Die Tierwelt

Bereits aus den Vegetationsverhältnissen im Peenetal lässt sich schließen, dass auch die Tierwelt des ausgedehnten Niedermoorgebietes reichhaltig ist und einen hohen Anteil der ursprünglichen Faunenelemente der Flusstalökosysteme Nordostdeutschlands beherbergt. Einige Tiergruppen wurden im vergangenen Jahrzehnt gut bearbeitet. Aus den Ergebnissen wird ersichtlich, dass die Peeneniederung hinsichtlich des Artspektrums, der Populationsgrößen für einzelne Arten und des Anteiles an heute gefährdeten Arten gegenüber allen anderen nordostdeutschen Tieflandflüssen heraussticht. Auch wenn die eine oder andere typische Art in anderen Landesteilen häufiger ist, wird die Vollständigkeit des Artspektrums heute in keiner anderen Region mehr erreicht.

Säuger

FischotterMit etwa 40 im Peenetal anzutreffenden Säugetierarten erreicht das Artenspektrum eine relativ hohe Vollständigkeit; 16 davon gelten in Mecklenburg-Vorpommern als bestandsgefährdet, drei genießen europaweiten Schutz. Zu letzteren gehört die seltene Mops-Fledermaus. Bekannt ist das Peenetal jedoch für seine großen Biber- und Fischotter- Populationen. Beide Arten sind flächendeckend über das gesamte Peenetal verbreitet. Die genauen Bestandsgrößen sind unzureichend bekannt und aufgrund des Geländes auch nur schwer ermittelbar. Es ist jedoch keine große Schwierigkeit, Biber im Peenetal zu beobachten. Die Spuren ihrer Fraßtätigkeit sind oft auch in ortsnahen Bereichen zu finden.

Vogelparadies Peenetal

SeeadlerBesonders deutlich wird die überregionale Bedeutung der Peeneniederung beim Blick auf die Vogelfauna, die gut bearbeitet ist. Rund 160 Brutvogelarten sind erfasst, was ca. 80 % aller derzeit in Mecklenburg-Vorpommern brütenden Arten entspricht. Die gesamteuropäische Bedeutung wird daraus ersichtlich, dass ca. 30 europaweit geschützte Arten im Peenetal brüten. Rohrdommel, Rohrweihe, Tüpfelsumpfhuhn, Flussseeschwalbe, Trauerseeschwalbe und Blaukehlchen sind sehr häufig vertreten. Im Peenetal brüten drei Adlerarten (See-, Fisch- und Schreiadler).
LachmöweSeitdem die ersten Renaturierungsvorhaben im Peenetal umgesetzt wurden, ist eine erfreuliche Bestandsentwicklung typischer Niedermoor- und Flachwasserarten zu verzeichnen. So sind die Bestandszahlen für Tüpfelsumpfhuhn, Wachtelkönig, Bekassine, Kiebitz, Uferschnepfe, Kampfläufer, Großer Brachvogel, Rotschenkel, Rohrdommel, Fluss- und Trauerseeschwalbe sowie Lachmöwe und Höckerschwan deutlich gestiegen. Eine Besonderheit stellt zudem das Auftreten der Weißbartseeschwalbe und des Stelzenläufers dar, wovon die erstgenannte Art hier in den letzten Jahren regelmäßig mit dem deutschlandweit höchsten Bestand brütet. Erwähnenswert ist ebenfalls die Neugründung einer großen Kormoran-Kolonie im „Anklamer Stadtbruch“.
KormoranBesondere Bedeutung besitzt das Peenetal auch für den Vogelzug und als Rast- bzw. Nahrungsplatz. Seit den ersten Polderauflösungen hat die Peeneniederung einen enormen Zuwachs als Rast- und Durchzugsgebiet vor allem für Entenvögel, Gänse und Schwäne, Kiebitze und Goldregenpfeifer, Rallen und Taucher erfahren. Gelegentlich werden auch der Uhu und der Seggenrohrsänger als Durchzügler beobachtet und es bleibt zu hoffen, dass diese Arten das Peenetal erneut besiedeln. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

Amphibien und Reptilien

Von den 21 einheimischen Amphibien- und Reptilienarten in Mecklenburg-Vorpommern sind 15 Arten in gebietsweise wechselnder Häufigkeit im Peenetal bodenständig. Obwohl sie sich alle in der Roten Liste Mecklenburg-Vorpommerns wiederfinden, ist ihr Auftreten im Peenetal aufgrund der zahlreichen verschiedenen Feuchtlebensräume nicht verwunderlich. Das Vorkommen von drei weiteren Arten wird erwartet. Als Arten von gemeinschaftlichem Interesse gemäß des Anhangs II und IV der FFH-Richtlinie sind die Vorkommen von Kammmolch, Rotbauchunke und Zauneidechse hervorzuheben.

Ringelnatter

Fische in der Peene und angrenzenden Gewässern

Die Region um das Peenetal wirbt oft mit dem Slogan, einen der fischartenreichsten Flüsse Deutschlands zu haben. So kommen von 51 in Mecklenburg-Vorpommern autochthonen Süßwasser- und Wanderfischarten regelmäßig 37 Arten im Peenesystem vor. Unter ihnen gelten 20 Arten als bundesweit bestandsgefährdet. Hervorzuheben sind Flussneunauge, Bachneunauge, Rapfen, Steinbeißer, Schlammpeitzger, Bitterling und Lachs, die zugleich Arten des Anhangs II der FFH-Richtlinie sind. Langfristig wird die dauerhafte Ansiedlung des Lachses angestrebt. Für den Stör gibt es bereits Pläne zur Neueinbürgerung im unteren Odergebiet.

Wirbellose Tiere

Die genaue Anzahl der riesigen Gruppe der Wirbellosenarten im Peenetal ist unbekannt und viele Gruppen sind noch gar nicht oder ungenügend erfasst. Lediglich über die Schmetterlinge, einige Käfergruppen, Libellen, Heuschrecken, Spinnen und Molluskenarten wissen wir besser Bescheid. Es lassen sich Parallelen zur Vegetationsausstattung der ursprünglichen nordostdeutschen Tieflandflüsse ziehen. So treten gehäuft zentral- und osteuropäisch verbreitete Niedermoorarten auf, sowie eine ganze Reihe sogenannter eurosibirischer „Kälterelikte“ der Gebirgsregionen und Nordosteuropas. Erhebungen für wirbellose Gruppen sind sehr aufwändig und setzen besonders detaillierte Kenntnisse voraus. Vollständige Erfassungen liegen aus diesem Grunde zur Zeit noch für kein Flusstalsystem Nordostdeutschlands vor. Für das Peenetal kann aus dem bisher vorliegenden Material jedoch der Schluss gezogen werden, dass das hier präsente Inventar ehemals typischer Arten der nordostdeutschen Flusstäler die Ausstattung der anderen Flusstalsysteme übertrifft. Einige Arten kommen nur noch in der Peeneniederung vor. Alle festgestellten Besonderheiten aufzuzählen, ist an dieser Stelle nicht möglich. Stellvertretend sollen hier nur einige wenige besondere Schmetterlings-, Käfer- und Libellenarten kurz vorgestellt werden.

Großer FeuerfalterAn Arten von gemeinschaftlichem Interesse nach der FFH-Richtlinie sind Großer Feuerfalter, Goldener Scheckenfalter, Große Moosjungfer, Sibirische Winterlibelle, Grüne Mosaikjungfer, Menetries-Laufkäfer und Eremit nachgewiesen. Vor allem für den Großen Feuerfalter und den Menetries-Laufkäfer liegt eine überregional hohe Verantwortung vor. Die Unterart des hier vorkommenden Großen Feuerfalters, es handelt sich vermutlich um die aus England beschriebene und dort ausgestorbene Nominatform, besitzt deutschlandweit derzeit ihr Hauptvorkommen im Peenetal. Das einst in Norddeutschland recht weit verbreite typische Niedermoorelement ist in den letzten Jahrzehnten drastisch zurückgegangen und vielerorts erloschen.
In der Gesamtschau bietet die Peeneniederung etwa zwei Dritteln der in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesenen Tagfalterarten einen (Über-)Lebensraum; beinahe 40 % davon sind nach der Roten Liste des Landes in ihrem Bestand bedroht.
Für den Menetries-Laufkäfer ist das Peenetal der einzige Fundort in der Deutschen Ebene und, wenn sich die Vermutung der Nominatform bestätigt, das einzige Vorkommen in ganz Deutschland.
Unter den weiteren bisher nachgewiesenen Käferarten sind vor allem bedeutsam die Laufkäfer Chlaenius costulatus (einziges Vorkommen in Deutschland) und Platynus krynickii (Glazialrelikt mit Verbreitungsschwerpunkt im Peenetal), der Blattkäfer Cassidea murraea (in M-V sonst nur noch im Elbtal), der Blattkäfer Chaetocnema procerula (Hauptpopulation im norddeutschen Tiefland), der Rüsselkäfer Nanomimus circumcictus (eine der letzten Populationen Deutschlands) usw.

Wiesen-KuhschelleEinen bisher völlig unerwähnten Lebensraum bilden die Hanglagen des Peenetals. Besonderes Augenmerk verdienen dort die kleinräumig vorkommenden basenreichen Magerrasen, die zusammen mit den waldbestockten Partien den Lebensraum Peenetal abrunden. Sie sind zwar in anderen Landesregionen besser und großräumiger entwickelt, an den Talhängen der Peene treten jedoch innerhalb dieser Vegetationseinheiten einige seltene Insektenarten auf, die vielerorts fehlen. Grund dafür ist die Anbindung an das Odersystem. Steppenelemente sind z.B. der Bockkäfer Phytoecia virgula (nur Oder- und Elbegebiet), der Rüsselkäfer Ceratapion austriacum (Steppenrelikt im nördlichen Odergebiet) und als typische Pflanzenarten die Wiesen-Kuhschelle, die Sandstrohblume und der Berg-Klee.